Blick auf die Bucht von Neapel mit Castel dell Ovo und dem Vesuv im Hintergrund
Pizza Stories · 26. Mai 2026 · 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert: 25. Mai 2026

5 Tage Neapel: Pizzareise, 80.000 Schritte und zu viel gutes Essen

Ich war 5 Tage in Neapel – für Pizza, Pasta, Käse und Wein am Vesuvio. Mein ehrlicher Reisebericht: Pizzerien, Geheimtipps und warum du dort mindestens 80.000 Schritte einplanen solltest.

Neapel. Allein das Wort löst bei Pizzafans etwas aus. Für mich war es bereits der zweite Besuch – beim ersten Mal war ich länger dort und habe mich direkt bei der AVPN (Associazione Verace Pizza Napoletana) weitergebildet. Aber diese Reise war noch mal eine andere Dimension.

Keine Messeveranstaltung, kein Solo-Trip. Diesmal war ich als Gast von Andrea von La Bottega di Gusti dabei – mit dem wir von PizzaLaden.at eine enge und herzliche Partnerschaft verbindet. Andrea hat für seine Kunden und Geschäftspartner eine echte Genussreise auf die Beine gestellt, und wir durften uns anschließen. Dafür ein großes Dankeschön! 🙏

5 Tage. Über 80.000 Schritte. Und eine Liste von Pizzerien, Trattorien, Manufakturen und Weingütern, die ich euch hier nicht vorenthalten will.

Spoiler: Ich habe keine schlechte Pizza gegessen. Nicht eine.

Tag 1 – Ankunft & die erste Pizza

Mit Austrian Airlines von Wien nach Neapel – wenn man früh genug bucht oder auf Aktionen wartet, sind die Flüge wirklich günstig. Diesmal hatten wir nur 10 Minuten Verspätung, was für mich nach diversen Deutschland-Flügen fast schon ein kleines Wunder war.

Vom Flughafen haben wir uns direkt ein Taxi via Uber, FreeNow oder WeTaxi gebucht – alle drei Apps funktionieren problemlos in Neapel. Kurz Koffer abgestellt im AirBnb direkt am Piazza Dante, und schon ging es los.

Ein kurzer Tipp zur Unterkunft: Ich brauche kein Hotel in Neapel. Das Zimmer ist nur zum Schlafen. Ein AirBnb mit guten Bewertungen, sauber, Lage passt – das ist alles was ich brauche. Klar, vielleicht ist es im 3. Stock ohne Lift und liegt in einer Hintergasse. Aber dafür liegt man direkt an der Via Toledo und zahlt deutlich weniger.

Frühstück brauch ich in Neapel auch keines im Zimmer. Das hol ich mir im Café direkt an der Bar: Cappuccino + Cornetto Pistacchio, ca. € 3,60. Wichtig: Wer sich hinsetzt, zahlt mehr.

Die erste Pizza in Neapel

Das Kennenlernabendessen unserer Gruppe fand in der Pizzeria Errico Porzio Lungomare statt (Google Maps). Direkt an der Promenade, mit Blick aufs Meer – ein idealer Einstieg. Dort haben wir uns alle kennengelernt: eine bunte Mischung aus Pizzaliebhabern, Gastronomen und ambitionierten Hobbybäckern.

Neben der Pizza waren die Crocche – frittierte Kartoffelkroketten mit Provola – schon mal ein Vorgeschmack auf das, was Neapel kulinarisch zu bieten hat.

Danach sind wir gemeinsam durch die Gassen der Altstadt rauf zur Via Toledo Richtung Chalet Ciro – die berühmte Graffa wartet dort auf einen. Die Graffa ist im Grunde ein neapolitanischer Donut, frisch frittiert und mit Puderzucker bestäubt. Leider hatte Chalet Ciro an dem Abend schon zu. Was macht man dann? Man gönnt sich ein Eis. 🍦

Tag 2 – Da Michele, AVPN & Fischmarkt

Den zweiten Tag haben wir mit einem Frühstück in einer Cafeteria mit direktem Blick auf den Fischmarkt gestartet. Dazu eine Sfogliatella – das ist dieses wunderbare blättrige Gebäck aus Neapel, gefüllt mit süßem Ricotta. Wem der frisch angelieferte Fisch dabei appetitmäßig nichts ausmacht, der wird ihn lieben: Man sieht quasi live wie der Fang ankommt, auf Eis gelegt und verkaufsfertig gemacht wird.

L’Antica Pizzeria da Michele

Nach einem kurzen Regenschauer und einem Espresso als Schutz unter großen Schirmen sind wir zur wahrscheinlich bekanntesten Adresse Neapels marschiert: der L’Antica Pizzeria da Michele. Da wir eine größere Gruppe waren, mussten wir kurz warten – vis-à-vis kann man sich die Zeit mit Getränken vertreiben, die allerdings nicht mit hineingenommen werden dürfen.

Bei da Michele ist die Karte so simpel wie konsequent: exakt 4 Pizzen – Marinara, Margherita, Cosacca und die Marita (halb/halb). Mehr braucht es nicht. Genau das ist das Prinzip der echten neapolitanischen Pizza: wenige Zutaten, dafür perfekt ausgewählt.

Matozzi – AVPN-Geschichte zum Anfassen

Danach noch eine Nummer 2: das Ristorante Pizzeria Matozzi (Google Maps) – eines der ältesten Pizzarestaurants in Neapel und Teil der Gründungsgeschichte der AVPN (Associazione Verace Pizza Napoletana). Hier haben wir zum ersten Mal Pizza Fritta gegessen: frittierter Pizzateig, in diesem Fall gefüllt, knusprig von außen, weich innen. Dazu Crocche und Arancini.

Besonders schön: Wir haben uns anschließend noch mit dem Besitzer und Paolo Surace, dem Generalsekretär der AVPN, über neapolitanische Pizza unterhalten. Solche Momente passieren einem nicht überall.

Am Abend dann unser erster Alleingang: die Pescheria Azzurra – ein Fischgeschäft, das gleichzeitig Restaurant ist. Frischerer Fisch geht nur wenn man selbst angelt. Danach durch die Gassen und Tiramisu bei Leopoldo – laut lokaler Empfehlung eines der besten in Neapel. Interessantes Detail: Eine ganze Theke mit glutenfreien Köstlichkeiten (Senza Glutine) – das ist dort wirklich ernst genommen.

Tag 3 – Pasta-Manufaktur, Lido & Weingut Sorrentino

Marulo in Boscoreale

Mit dem Bus raus nach Boscoreale zu Marulo – einer kleinen, aber feinen Pasta-Manufaktur. Ich sag’s gleich: Die Produkte überzeugen vollkommen. Das Prinzip ist denkbar einfach: Semola und Wasser. Mehr nicht. Aber was dann in der Produktion passiert – die Rezeptur, die Knetdauer, die langen Trockenzeiten – das macht den Unterschied.

Wir durften (mit Schutzkleidung) in die Produktion: Pressen, Matrizen, Trockengestelle. Eine einzelne Matrize für die Presse wiegt übrigens 20 bis 25 Kilogramm. Die Neptun-Form ist da besonders eindrucksvoll.

Luigi, einer der beiden Brüder, die die Manufaktur leiten, hat mir zugesagt, ein paar Interviewfragen für den Blog zu beantworten – dazu bald mehr!

👉 Und ja: Die Marulo-Pasta kommt demnächst auch bei uns in den Shop auf PizzaLaden.at. Wenn du wissen willst, wann sie verfügbar ist, trag dich am besten in unseren Newsletter ein.

Lido Nettuno

Luigi hat uns eingeladen ins Lido Nettuno, das gerade für die Sommersaison vorbereitet wurde. Schwarzer Sand, Privatstrand, eigene Pizzaöfen direkt am Meer. Das 4-Gänge-Menü mit Weinbegleitung – die Weine kamen vom Weingut Sorrentino direkt am Vesuvio – war schlicht und einfach eines der besten Essen dieser Reise. Und die Pizza dort war eine der besten, die ich je gegessen habe. Punkt.

Weingut Sorrentino am Vesuvio

Von Boscoreale aus ging es weiter rauf zum Weingut Sorrentino – direkt an den Hängen des Vesuvio. Exklusive Einblicke hinter die Kulissen, durch den Weinkeller, und dann eine Wanderung durch die Weingärten.

Was mich wirklich fasziniert hat: Die Reben werden bis auf eine Höhe von 600 Metern angebaut – weiter rauf geht es nicht mehr. Die Wurzeln reichen teilweise 4 Meter und tiefer in den Boden, weil keine künstliche Bewässerung erlaubt ist (nur in den ersten drei Jahren). Und die Olivenbäume dazwischen? Die halten den Salzwind ab, der den Trauben schadet.

Nach der Wanderung: eine Degustation mit 9 verschiedenen Weinen, angebaut auf unterschiedlichen Höhen. Dazu ein Ausblick der sich gewaschen hat: vor uns das Meer, hinter uns der Vulkan. Zum Glück hat uns der Bus wieder nach oben geholt – nach neun Kostproben wäre der Abstieg sportlich geworden.

Den Tag haben wir in der Trattoria „A Cucina ra casa mia“ ausklingen lassen – mit der neapolitanischen Spezialität Genovese (ein slow-cooked Zwiebelragù auf Pasta, nichts mit Genua zu tun!) und musikalischer Begleitung.

Tag 4 – Käse, Pizza-Direktvergleich & ESC-Vibe

Sogni di Latte in Vomero

Wer glaubt, Käse ist Käse, wird in Neapel eines Besseren belehrt. Der Weg zu Sogni di Latte im Stadtteil Vomero war eine kleine Herausforderung – viele Treppen, die bei einigen bestimmt ein paar Ave Maria abverlangt haben. Aber es hat sich absolut gelohnt.

Geführt hat uns durch die Verkostung Ernesto – mit einer Leidenschaft und Fachkenntnis für Käse, die wirklich ansteckend ist. Wir haben uns durch das komplette Programm verkostet: Mozzarella di Bufala Campania DOP in verschiedenen Größen (ja, die Größe macht tatsächlich einen Unterschied im Geschmack!), Parmigiano lange gereift, Provolone in kurz und lang gereift, Provola, Fior di Agerola und Gorgonzola – süß, würzig, und als Torte. Letzterer war eine Offenbarung.

Mit dabei war auch der Besitzer von Tenuta del Lago, der uns einen exklusiven Einblick in die Büffelmozzarella-Produktion gegeben hat – von der Büffelhaltung bis hin zum fertigen DOP-Produkt. Wer bis jetzt noch nicht verstanden hat, warum echter Mozzarella di Bufala so anders schmeckt als der aus dem Supermarkt, der weiß es danach.

Der große Pizza-Vergleich

Danach mit der U-Bahn zurück in die Altstadt und dann spontan: direkter Pizza-Blindverkostung. Wir haben uns je eine Margherita von Vincenzo Capuano und von Sorbillo geholt und Seite an Seite verglichen.

Das Ergebnis? Es gibt keinen klaren Gewinner. Der eine hatte meiner Meinung nach den besseren Teig, der andere die bessere Tomatensauce und den besseren Fior di Latte. Geschmack ist subjektiv – und das ist auch gut so. Als Abschluss noch eine Pizza Fritta von Masardona, die geschmacklich noch mal eine eigene Kategorie war.

Am Abend: Fischrestaurant, und dann ESC – denn der italienische Vertreter kam aus Neapel. Überall in der Stadt war Song-Contest-Vibe. 🎶

Tag 5 – Streetfood, Pulcinella & letztes Abendessen

Der letzte Reisetag für die meisten – also noch mal alles mitnehmen. Los geht’s mit der Pizza Portafoglio: die gefaltete, zusammengeklappte Pizza als klassisches neapolitanisches Streetfood. Einfach in Papier gewickelt, auf die Hand – so essen sie Pizza in Neapel seit Generationen.

Dann haben wir uns die Pizzeria Brandi von außen angesehen – mit dem historischen Schild, das auf die Entstehungsgeschichte der Pizza Margherita hinweist.

Via San Gregorio Armeno

Weiter durch die Weihnachtsstraße (Via San Gregorio Armeno), wo das ganze Jahr über Krippen und Figuren aller Art verkauft werden – von klassisch bis modern, von Jesus bis Politiker. Ein eigenes Erlebnis.

Pulcinella & die Nase

Und dann: die Pulcinella-Statue. Wer die Nase reibt, dem soll Glück gebracht werden – so zumindest die Sage. Natürlich haben wir das gemacht. 🤲

Der beste Affogato den ich je getrunken habe

Klingt übertrieben, ist es nicht. Kein klassischer Affogato mit Vanilleeis wie wir ihn kennen. Stattdessen: ein Pappbecher mit Fior di Latte Eis, und dann direkt dazu ein frischer Espresso aus dem Siebträger. So einfach. So gut.

Das letzte gemeinsame Abendessen

Wir wollten eigentlich zu Da Attilio – von meinem letzten Besuch noch sehr gut in Erinnerung. Aber: Sonntag ist in Neapel inzwischen Happy Sunday, und viele der großen Pizzerien – Da Attilio, Sorbillo – haben dann zu. Was ich persönlich sogar gut finde: Ruhetag ist wichtig, auch für die Familie.

Also sind wir in eine andere Pizzeria ausgewichen – und auch dort war die Pizza wieder gut. Wir waren zu sechst, haben sechs verschiedene Pizzen bestellt und jeder hat von jeder gekostet. Das einzige echte Problem: In Neapel können sie keine Pizza schneiden. Entweder 4 Stück oder 8 Stück. Bei 6 Personen wird das mathematisch kompliziert. Aber man behilft sich. 😄

Was ich dir mitgebe

Schuhwerk: Plane mindestens 15.000–20.000 Schritte pro Tag ein – wir kamen in 5 Tagen auf über 80.000. Gutes Schuhwerk ist absolut Pflicht.

Frühstück: Geh in ein Café, steh an der Bar, kauf dir einen Cappuccino/Espresso und eine Sfogliatella. Du wirst dich freuen.

Unterkunft: AirBnb in der Altstadt schlägt Hotel. Wichtig sind Bewertungen, Sauberkeit, und Lage – nicht Lift und Frühstücksbuffet.

Taxi: Uber, FreeNow und WeTaxi funktionieren zuverlässig.

Pizzerien-Shortlist aus diesem Trip:

PizzeriaWas?Besonderheit
Errico Porzio LungomarePizza + FrittiToller Einstieg, direkt an der Promenade
L’Antica Pizzeria da Michele4 Pizzen, mehr nichtIkone. Warten einplanen.
MatozziPizza Fritta, FrittiAVPN-Geschichte, seit 1833
Vincenzo CapuanoMargheritaGrandioser Teig
SorbilloMargheritaTolle Tomatensauce, Fior di Latte
MasardonaPizza FrittaEigene Kategorie

Demnächst auf PizzaLaden.at

Die Marulo Pasta aus Boscoreale kommt demnächst in unser Sortiment. Luigi, einer der Gründer, hat mir auch zugesagt, ein paar Interview-Fragen für den Blog zu beantworten. Das wird interessant – stay tuned.

Und wenn du selbst zuhause neapolitanische Pizza backen willst: Schau dir unsere Mehle von Caputo und das passende Pizzazubehör an. Den Rest macht der Teig – und deine Leidenschaft.

Ciao und Buona Pizza – Klausi 🍕

klausi
Klausi ist Gründer von PizzaLaden.at und leidenschaftlicher Hobby-Pizzaiolo aus Österreich. Auf PizzaStunde.com teilt er praxisnahe Tipps zu Teig, Equipment und Technik – und verkauft im Shop alles, was man für authentische Pizza zuhause braucht.
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