
Dein neuer Pizzaofen ist angekommen – und irgendwo in der Verpackung liegt ein Stein drin. Was jetzt? Die meisten Leute schmeißen ihn sofort rein und backen los. Ich kenn das Gefühl, aber genau da passieren die meisten Fehler die ich in meinen Workshops immer wieder sehe: falsches Einbrennen, zu viel Wasser, die falsche Reinigungsmethode – und der Stein springt oder bleibt ewig klebrig.
Dabei ist die Pflege eines Pizzasteins gar nicht kompliziert. Du musst nur wissen, aus welchem Material deiner besteht – denn der Stein in deinem Ofen ist nicht immer der gleiche. Biscotto, Cordierit und Schamott verhalten sich beim Erhitzen und bei der Reinigung grundlegend anders. Hier bekommst du die Antworten, die dir der Hersteller meistens schuldig bleibt.
Pizzastein-Typen im Vergleich: Biscotto, Cordierit und Schamott
Bevor wir über Pflege reden, kurze Erklärung der drei Materialien – weil das alles bestimmt, was danach kommt.
Biscotto di Sorrento

Das ist der König unter den Pizzasteinen. Handgefertigt aus einem speziellen Ton aus der Gegend um Sorrent, in Kampanien. Jeder Stein ist ein Unikat – leichte Farb- und Formunterschiede sind normal und kein Mangel.
Was Biscotto besonders macht: Er heizt sich langsamer auf als Cordierit, aber gibt die Wärme dafür unglaublich gleichmäßig an die Pizza ab – wie der Steinboden eines echten Holzofens. Der Boden bräunt gleichmäßig, ohne zu verbrennen, selbst bei 450–500°C. Du kannst eine neapolitanische Pizza 60–90 Sekunden drauflassen ohne dass der Boden schwarz wird. Das ist der eigentliche Grund warum Pizzerien Biscotto verwenden – nicht weil er besonders günstig wäre.
Biscotto ist Standard in neapolitanischen Öfen. Einen wichtigen Hinweis zum Effeuno Biscotto 2024: Das ist kein klassischer Biscotto di Sorrento, sondern ein von Effeuno speziell entwickelter Hybrid-Stein. Früher wurden Effeuno-Öfen mit zwei Steinen ausgeliefert, heute kommt ein einzelner Hybrid-Stein dazu. Er verhält sich ähnlich wie ein echter Biscotto – speichert Wärme gut, gibt sie gleichmäßig ab – aber er enthält beim ersten Einbrennen deutlich mehr Feuchtigkeit als ein klassischer Biscotto. Dazu gleich mehr.

Cordierit

Cordierit ist ein Naturstein und der am häufigsten verwendete Pizzastein in Heimöfen und bei Gas-Pizzaöfen wie dem Witt oder Gozney. Er leitet Wärme deutlich schneller an die Pizza als Biscotto – das heißt: der Boden wird schnell knusprig, auch wenn dein Ofen keine 450°C schafft. Für normale Haushaltsöfen mit 250–280°C ist das ein echter Vorteil. Dafür ist die Hitzeverteilung etwas weniger gleichmäßig als beim Biscotto – bei sehr hohen Temperaturen kann der Boden lokal schneller verbrennen.
Cordierit ist robuster als Biscotto und verträgt Temperaturschwankungen gut. Für den Heimgebrauch bis ca. 350–400°C ist er eine sehr gute Wahl. Profi-Tipp: Bei Cordierit kommt es mehr auf die Dicke an – ein 1,5 cm Stein speichert deutlich mehr Energie als ein 1 cm Stein.
Schamott

Schamott ist kein Naturstein, sondern ein gebranntes Industrie-Keramikprodukt aus Tonerde. Extrem hitzebeständig, günstig und schwer. In Sachen Wärme liegt er irgendwo zwischen Biscotto und Cordierit: er heizt sich etwas schneller auf als Biscotto, gibt die Wärme aber weniger gleichmäßig ab. Für den Holzofen im Garten ist das absolut ausreichend.
Der Nachteil: Schamott nimmt Feuchtigkeit sehr stark auf. Einmal nass geworden und schnell erhitzt – und der Stein kann springen. Beim Reinigen daher besonders aufpassen. Für Holzöfen im Freien ist Schamott eine bewährte, günstige Option.
| Material | Wärme-Verhalten | Ideal für | Pflege |
|---|---|---|---|
| Biscotto | Langsam auf, sehr gleichmäßig ab | Neapolit. Pizza, 400–500°C | Nur trocken |
| Cordierit | Schnell auf, direkt knusprig | Heimofen, bis 400°C | Leicht feucht möglich |
| Schamott | Mittel, robust | Holzofen, Grill | Nur trocken |
Für die Technik-Nerds: Biscotto ~0,3–0,6 W/(m·K), Schamott ~1–1,3 W/(m·K), Cordierit ~2–3 W/(m·K). Quellen: PizzaBlab Baking Surfaces Guide, GGS Ceramics – Cordierite Properties.
Pizzastein einbrennen – so bereitest du ihn richtig vor
Der Begriff „Einbrennen“ wird für zwei verschiedene Dinge verwendet, und das sorgt immer wieder für Verwirrung. Ich trenne das sauber:
- Ausbrennen von Ofen und Griller: Jeder neue Ofen – egal ob Elektro-Pizzaofen, Grill oder Holzofen – sollte vor der ersten Verwendung einmal leer auf voller Temperatur durchlaufen. Dabei verbrennen Produktionsrückstände, Öle aus der Fertigung und eventuelle Beschichtungen. Das gilt für alle Öfen und Griller, unabhängig vom Stein.
- Einbrennen des Steins: Der Stein selbst muss langsam auf Temperatur gebracht werden – beim ersten Mal, aber auch nach jeder längeren Pause wenn er komplett kalt ist. Der Grund ist thermischer Stress: Keramik und Stein dehnen sich beim Erhitzen aus. Zu schnell = Risse.
Zum Vergleich: In einer echten Pizzeria werden neue Öfen mit Biscotto-Steinen über mehrere Tage langsam hochgebrannt – jeden Tag ein paar Stunden bei zunehmender Temperatur, bis der Stein vollständig ausgetrocknet und eingebrannt ist. Das ist natürlich bei einem Heimofen nicht nötig, aber es zeigt wie ernst das langsame Aufheizen zu nehmen ist.
Das Einbrenn-Protokoll (für Biscotto und Schamott)
Cordierit braucht kein spezielles Einbrenn-Protokoll – er ist robuster und kommt gut mit dem normalen Aufheizen zusammen mit dem Ofen klar. Für Biscotto und Schamott gilt:
- Schritt 1: Den Stein trocken in den kalten Ofen legen. Niemals in einen vorgeheizten Ofen – das ist der häufigste Fehler.
- Schritt 2: Ofen auf 100°C aufheizen, 15 Minuten halten. Tür kurz öffnen damit Feuchtigkeit entweichen kann.
- Schritt 3: Auf 150°C erhöhen, weitere 15 Minuten. Tür wieder kurz öffnen.
- Schritt 4: Auf 250°C erhöhen, 20 Minuten halten.
- Schritt 5 (für Hochtemperaturöfen): Weiter auf Maximaltemperatur erhöhen, nochmal 30–45 Minuten. Bei Elektro-Pizzaöfen also bis auf 450°C.
Beim ersten Einbrennen kann leichter Rauch oder ein erdiger Geruch entstehen – das ist normal. Der Stein „brennt sich frei“.
Achtung beim Effeuno Hybrid-Stein: Das Glas beschlägt
Beim Einbrennen des Effeuno Hybrid-Steins passiert etwas, das viele erschreckt: Das Ofenglas beschlägt sich, und an den Türseiten kann sogar Wasser heraustropfen. Das ist vollkommen normal – der Hybrid-Stein enthält beim ersten Einbrennen deutlich mehr Restfeuchtigkeit als ein klassischer Biscotto.
Was du tun solltest:
- Tür regelmäßig kurz öffnen damit die Feuchtigkeit entweichen kann.
- Das Glas von innen mit einem feuchten Fetzen abwischen – Achtung: der Ofen ist heiß, Verbrennungsgefahr! Immer mit langen Handschuhen arbeiten.
- Das Wasser das an den Seiten herausläuft einfach abtupfen – kein Problem.
- Lieber zweimal einbrennen als einmal zu schnell: Beim ersten Mal bis 250°C, beim zweiten Mal voll auf Temperatur.
Profi-Tipp: Die ersten 2–3 Backgänge mit einfachen Focaccia oder Brotfladen machen, bevor du eine richtige Pizza drauflegst. Der Stein nimmt dabei etwas Fett auf und die Oberfläche schließt sich. Danach backst du besser.

Pizzastein reinigen – die goldenen Regeln
Hier kommt das Thema, das in meinen Workshops die meisten Fragen aufwirft. Und gleichzeitig das, wo die meisten Steine kaputtgehen. Also aufpassen:
Was du niemals tun solltest
- Niemals Spülmittel. Alle Pizzasteine sind porös. Spülmittel zieht in die Poren ein, gibt beim nächsten Erhitzen Dämpfe ab und verdirbt den Geschmack. Dauerhaft.
- Niemals Wasser auf den heißen Stein. Thermischer Schock – der Stein springt. Immer erst vollständig abkühlen lassen.
- Niemals einweichen. Besonders Schamott und Biscotto saugen sich voll. Ein durchtränkter Stein kann beim Erhitzen durch den entstehenden Dampfdruck buchstäblich zerplatzen.
- Niemals Metallschwämme oder Stahlwolle. Die zerkratzen die Oberfläche und hinterlassen Metallreste die sich einbrennen.
Was wirklich funktioniert
Die beste Reinigungsmethode im Alltag ist die einfachste: Warten bis der Stein kalt ist, dann trocken abbürsten. Die richtige Bürste hängt vom Ofen ab:
- Für Elektro-Pizzaöfen (Effeuno, Tentazione, Witt eGNITE): Die Cerutti Reinigungsbürste für Elektro-Pizzaöfen – kompakt, passt gut in den Ofen und kommt an den Stein ran.
- Für größere Öfen und Holzöfen: Die Cerutti Reinigungsbürste XL mit extra Reichweite – der lange Stiel ist Gold wert wenn du nicht mit dem Gesicht in den heißen Ofen willst.
Und dann ist da noch eine Sache, die ich jedem in meinen Workshops sage: Ein dunkler, fleckiger Pizzastein ist kein schmutziger Pizzastein. Die dunklen Stellen sind eingebrannte Mehl- und Fettreste – die schaden dir nicht, sie verbessern langfristig sogar die antihaftende Eigenschaft der Oberfläche. Lass den Perfektion-Gedanken los.
Hartnäckige Flecken? Zuerst Pyrolyse
Wenn mal etwas eingebrannt ist das sich nicht abbürsten lässt – Käsereste, Tomatensoße, was auch immer – dann ist Pyrolyse der erste Griff, nicht der letzte.
Den Stein bei maximaler Temperatur eine längere Zeit laufen lassen. Alles Organische verbrennt dabei vollständig. Wenn der Stein dann vollständig ausgekühlt ist, einfach die Asche wegwischen oder mit einem Staubsauger absaugen. Der Stein sieht danach wieder fast wie neu aus – ohne irgendwas zu schrubben.
Das funktioniert hervorragend bei Elektro-Pizzaöfen die 450–500°C erreichen. Bei normalen Haushaltsöfen mit 250–280°C dauert es länger, klappt aber genauso.
Wenn die Pyrolyse mal nicht ausreicht – was selten vorkommt – gibt es als allerletzte Option noch: Backpulver-Paste (2 TL mit etwas Wasser zu einer Paste, auftragen, einwirken lassen, abwischen) oder feines Schmirgelpapier (400er Körnung, ganz wenig Druck). Aber ehrlich gesagt: wenn Pyrolyse nicht hilft, hilft das meistens auch nicht mehr.
Reinigung nach Material – was du beachten musst
Biscotto di Sorrento reinigen
Biscotto ist am sensibelsten. Hier gilt: ausschließlich trocken reinigen. Abbürsten wenn kalt, fertig. Wenn du wirklich mal etwas Feuchtigkeit brauchst – ein leicht feuchtes Tuch kurz drüberwischen, dann sofort gut trocknen lassen bevor der Stein wieder in den Ofen kommt. Niemals den feuchten Biscotto direkt aufheizen.
Ölflecken auf dem Biscotto sehen dramatisch aus, sind aber kein Problem. Sie verschwinden beim nächsten Backvorgang durch die hohe Hitze von selbst. Neapolitanische Pizzabäcker nennen das „seasoning“ und sehen es als Feature, nicht als Bug.
Cordierit reinigen
Cordierit ist das robusteste der drei Materialien. Du kannst ihn nach dem vollständigen Abkühlen mit einem leicht feuchten Tuch oder Schwamm (ohne Spülmittel!) abwischen. Danach gut trocknen – idealerweise nochmal kurz in den aufgeheizten Ofen stellen. Auch die Pyrolyse-Methode funktioniert bei Cordierit hervorragend.
Schamott reinigen
Schamott verhält sich ähnlich wie Biscotto – auch hier gilt: trocken reinigen. Die hohe Saugfähigkeit von Schamott macht Wasser zum Risikofaktor. Abbürsten, Auskratzen, fertig. Wenn dein Schamottstein im Grill oder Holzofen draußen steht und Regen abbekommt: vollständig trocknen lassen, dann langsam mit dem Einbrenn-Protokoll von oben aufheizen bevor du wieder backst.
Häufige Fragen zum Pizzastein
Mein Fazit: Pflege ist einfacher als du denkst
Der größte Fehler bei Pizzasteinen ist Angst vor Gebrauchsspuren. Ein guter Pizzastein wird mit der Zeit dunkler, bekommt Patina, sieht „benutzt“ aus – und genau dann ist er am besten. Kein Spülmittel, kein Wasser im heißen Zustand, immer langsam aufheizen – das sind die drei Regeln die du dir merken musst. Und wenn mal wirklich was schiefgeht: Pyrolyse löst fast jedes Reinigungsproblem.
Wenn du gerade auf der Suche nach einem neuen Pizzastein bist oder wissen willst welcher zu deinem Ofen passt: In der Pizzastein-Kategorie bei PizzaLaden.at findest du Cordierit, Biscotto und Backstähle mit allen Specs. Und wenn du Fragen hast, schreib mir einfach.
Welches Material hat dein Pizzastein – und hast du schon Erfahrungen mit Reinigung oder Einbrennen gemacht? Schreib es in die Kommentare, ich bin neugierig!
