Backtechnik · 16. Juni 2026 · 11 Min. Lesezeit

Pizzastein reinigen & einbrennen: Biscotto, Cordierit und Schamott richtig pflegen

Biscotto, Cordierit oder Schamott – welcher Pizzastein passt zu dir, und wie pflegst du ihn richtig? Alles über Einbrennen, Reinigen und die Unterschiede der drei Materialien.

Dein neuer Pizzaofen ist angekommen – und irgendwo in der Verpackung liegt ein Stein drin. Was jetzt? Die meisten Leute schmeißen ihn sofort rein und backen los. Ich kenn das Gefühl, aber genau da passieren die meisten Fehler die ich in meinen Workshops immer wieder sehe: falsches Einbrennen, zu viel Wasser, die falsche Reinigungsmethode – und der Stein springt oder bleibt ewig klebrig.

Dabei ist die Pflege eines Pizzasteins gar nicht kompliziert. Du musst nur wissen, aus welchem Material deiner besteht – denn der Stein in deinem Ofen ist nicht immer der gleiche. Biscotto, Cordierit und Schamott verhalten sich beim Erhitzen und bei der Reinigung grundlegend anders. Hier bekommst du die Antworten, die dir der Hersteller meistens schuldig bleibt.

Pizzastein-Typen im Vergleich: Biscotto, Cordierit und Schamott

Bevor wir über Pflege reden, kurze Erklärung der drei Materialien – weil das alles bestimmt, was danach kommt.

Biscotto di Sorrento

Das ist der König unter den Pizzasteinen. Handgefertigt aus einem speziellen Ton aus der Gegend um Sorrent, in Kampanien. Jeder Stein ist ein Unikat – leichte Farb- und Formunterschiede sind normal und kein Mangel.

Was Biscotto besonders macht: Er heizt sich langsamer auf als Cordierit, aber gibt die Wärme dafür unglaublich gleichmäßig an die Pizza ab – wie der Steinboden eines echten Holzofens. Der Boden bräunt gleichmäßig, ohne zu verbrennen, selbst bei 450–500°C. Du kannst eine neapolitanische Pizza 60–90 Sekunden drauflassen ohne dass der Boden schwarz wird. Das ist der eigentliche Grund warum Pizzerien Biscotto verwenden – nicht weil er besonders günstig wäre.

Biscotto ist Standard in neapolitanischen Öfen. Einen wichtigen Hinweis zum Effeuno Biscotto 2024: Das ist kein klassischer Biscotto di Sorrento, sondern ein von Effeuno speziell entwickelter Hybrid-Stein. Früher wurden Effeuno-Öfen mit zwei Steinen ausgeliefert, heute kommt ein einzelner Hybrid-Stein dazu. Er verhält sich ähnlich wie ein echter Biscotto – speichert Wärme gut, gibt sie gleichmäßig ab – aber er enthält beim ersten Einbrennen deutlich mehr Feuchtigkeit als ein klassischer Biscotto. Dazu gleich mehr.

Cordierit

Cordierit ist ein Naturstein und der am häufigsten verwendete Pizzastein in Heimöfen und bei Gas-Pizzaöfen wie dem Witt oder Gozney. Er leitet Wärme deutlich schneller an die Pizza als Biscotto – das heißt: der Boden wird schnell knusprig, auch wenn dein Ofen keine 450°C schafft. Für normale Haushaltsöfen mit 250–280°C ist das ein echter Vorteil. Dafür ist die Hitzeverteilung etwas weniger gleichmäßig als beim Biscotto – bei sehr hohen Temperaturen kann der Boden lokal schneller verbrennen.

Cordierit ist robuster als Biscotto und verträgt Temperaturschwankungen gut. Für den Heimgebrauch bis ca. 350–400°C ist er eine sehr gute Wahl. Profi-Tipp: Bei Cordierit kommt es mehr auf die Dicke an – ein 1,5 cm Stein speichert deutlich mehr Energie als ein 1 cm Stein.

Schamott

Schamott ist kein Naturstein, sondern ein gebranntes Industrie-Keramikprodukt aus Tonerde. Extrem hitzebeständig, günstig und schwer. In Sachen Wärme liegt er irgendwo zwischen Biscotto und Cordierit: er heizt sich etwas schneller auf als Biscotto, gibt die Wärme aber weniger gleichmäßig ab. Für den Holzofen im Garten ist das absolut ausreichend.

Der Nachteil: Schamott nimmt Feuchtigkeit sehr stark auf. Einmal nass geworden und schnell erhitzt – und der Stein kann springen. Beim Reinigen daher besonders aufpassen. Für Holzöfen im Freien ist Schamott eine bewährte, günstige Option.

Kurzübersicht:
MaterialWärme-VerhaltenIdeal fürPflege
BiscottoLangsam auf, sehr gleichmäßig abNeapolit. Pizza, 400–500°CNur trocken
CordieritSchnell auf, direkt knusprigHeimofen, bis 400°CLeicht feucht möglich
SchamottMittel, robustHolzofen, GrillNur trocken

Für die Technik-Nerds: Biscotto ~0,3–0,6 W/(m·K), Schamott ~1–1,3 W/(m·K), Cordierit ~2–3 W/(m·K). Quellen: PizzaBlab Baking Surfaces Guide, GGS Ceramics – Cordierite Properties.

Pizzastein einbrennen – so bereitest du ihn richtig vor

Der Begriff „Einbrennen“ wird für zwei verschiedene Dinge verwendet, und das sorgt immer wieder für Verwirrung. Ich trenne das sauber:

Zum Vergleich: In einer echten Pizzeria werden neue Öfen mit Biscotto-Steinen über mehrere Tage langsam hochgebrannt – jeden Tag ein paar Stunden bei zunehmender Temperatur, bis der Stein vollständig ausgetrocknet und eingebrannt ist. Das ist natürlich bei einem Heimofen nicht nötig, aber es zeigt wie ernst das langsame Aufheizen zu nehmen ist.

Das Einbrenn-Protokoll (für Biscotto und Schamott)

Cordierit braucht kein spezielles Einbrenn-Protokoll – er ist robuster und kommt gut mit dem normalen Aufheizen zusammen mit dem Ofen klar. Für Biscotto und Schamott gilt:

Beim ersten Einbrennen kann leichter Rauch oder ein erdiger Geruch entstehen – das ist normal. Der Stein „brennt sich frei“.

Achtung beim Effeuno Hybrid-Stein: Das Glas beschlägt

Beim Einbrennen des Effeuno Hybrid-Steins passiert etwas, das viele erschreckt: Das Ofenglas beschlägt sich, und an den Türseiten kann sogar Wasser heraustropfen. Das ist vollkommen normal – der Hybrid-Stein enthält beim ersten Einbrennen deutlich mehr Restfeuchtigkeit als ein klassischer Biscotto.

Was du tun solltest:

Profi-Tipp: Die ersten 2–3 Backgänge mit einfachen Focaccia oder Brotfladen machen, bevor du eine richtige Pizza drauflegst. Der Stein nimmt dabei etwas Fett auf und die Oberfläche schließt sich. Danach backst du besser.

Pizzastein reinigen – die goldenen Regeln

Hier kommt das Thema, das in meinen Workshops die meisten Fragen aufwirft. Und gleichzeitig das, wo die meisten Steine kaputtgehen. Also aufpassen:

Was du niemals tun solltest

Was wirklich funktioniert

Die beste Reinigungsmethode im Alltag ist die einfachste: Warten bis der Stein kalt ist, dann trocken abbürsten. Die richtige Bürste hängt vom Ofen ab:

Und dann ist da noch eine Sache, die ich jedem in meinen Workshops sage: Ein dunkler, fleckiger Pizzastein ist kein schmutziger Pizzastein. Die dunklen Stellen sind eingebrannte Mehl- und Fettreste – die schaden dir nicht, sie verbessern langfristig sogar die antihaftende Eigenschaft der Oberfläche. Lass den Perfektion-Gedanken los.

Hartnäckige Flecken? Zuerst Pyrolyse

Wenn mal etwas eingebrannt ist das sich nicht abbürsten lässt – Käsereste, Tomatensoße, was auch immer – dann ist Pyrolyse der erste Griff, nicht der letzte.

Den Stein bei maximaler Temperatur eine längere Zeit laufen lassen. Alles Organische verbrennt dabei vollständig. Wenn der Stein dann vollständig ausgekühlt ist, einfach die Asche wegwischen oder mit einem Staubsauger absaugen. Der Stein sieht danach wieder fast wie neu aus – ohne irgendwas zu schrubben.

Das funktioniert hervorragend bei Elektro-Pizzaöfen die 450–500°C erreichen. Bei normalen Haushaltsöfen mit 250–280°C dauert es länger, klappt aber genauso.

Wenn die Pyrolyse mal nicht ausreicht – was selten vorkommt – gibt es als allerletzte Option noch: Backpulver-Paste (2 TL mit etwas Wasser zu einer Paste, auftragen, einwirken lassen, abwischen) oder feines Schmirgelpapier (400er Körnung, ganz wenig Druck). Aber ehrlich gesagt: wenn Pyrolyse nicht hilft, hilft das meistens auch nicht mehr.

Reinigung nach Material – was du beachten musst

Biscotto di Sorrento reinigen

Biscotto ist am sensibelsten. Hier gilt: ausschließlich trocken reinigen. Abbürsten wenn kalt, fertig. Wenn du wirklich mal etwas Feuchtigkeit brauchst – ein leicht feuchtes Tuch kurz drüberwischen, dann sofort gut trocknen lassen bevor der Stein wieder in den Ofen kommt. Niemals den feuchten Biscotto direkt aufheizen.

Ölflecken auf dem Biscotto sehen dramatisch aus, sind aber kein Problem. Sie verschwinden beim nächsten Backvorgang durch die hohe Hitze von selbst. Neapolitanische Pizzabäcker nennen das „seasoning“ und sehen es als Feature, nicht als Bug.

Cordierit reinigen

Cordierit ist das robusteste der drei Materialien. Du kannst ihn nach dem vollständigen Abkühlen mit einem leicht feuchten Tuch oder Schwamm (ohne Spülmittel!) abwischen. Danach gut trocknen – idealerweise nochmal kurz in den aufgeheizten Ofen stellen. Auch die Pyrolyse-Methode funktioniert bei Cordierit hervorragend.

Schamott reinigen

Schamott verhält sich ähnlich wie Biscotto – auch hier gilt: trocken reinigen. Die hohe Saugfähigkeit von Schamott macht Wasser zum Risikofaktor. Abbürsten, Auskratzen, fertig. Wenn dein Schamottstein im Grill oder Holzofen draußen steht und Regen abbekommt: vollständig trocknen lassen, dann langsam mit dem Einbrenn-Protokoll von oben aufheizen bevor du wieder backst.

Häufige Fragen zum Pizzastein

Muss ich meinen Pizzastein vor jeder Verwendung einbrennen?
Nein. Das Einbrennen machst du einmal gründlich beim ersten Mal. Danach reicht es, den Stein immer im kalten Zustand in den Ofen zu legen und zusammen mit dem Ofen aufzuheizen – nie auf den vorgeheizten Stein legen.
Beim Einbrennen meines Effeuno-Steins beschlägt das Glas – ist das normal?
Ja, vollkommen normal! Der Effeuno Hybrid-Stein enthält beim ersten Einbrennen viel Restfeuchtigkeit. Das Glas beschlägt, an den Türseiten kann sogar Wasser heraustreten. Einfach Tür kurz öffnen, Glas mit feuchtem Fetzen abwischen (Achtung: heiß!), und geduldig weitermachen. Nach dem ersten vollständigen Einbrennen ist das Thema erledigt.
Mein Pizzastein hat einen Riss. Ist er noch zu retten?
Kommt auf den Riss an. Ein Haarriss (kaum sichtbar, keine Lücke) ist meistens unbedenklich – der Stein kann noch jahrelang funktionieren. Ein durchgehender Riss der den Stein in zwei Teile droht zu spalten: hier würde ich tauschen, denn beim nächsten Aufheizen kann er auseinanderfallen.
Kann ich den Pizzastein in der Spülmaschine reinigen?
Absolut nicht. Spülmaschinentabs sind aggressiv und ziehen tief in die Poren ein. Dazu kommt: der Stein durchtränkt sich mit Wasser und kann beim nächsten Erhitzen springen. Bitte niemals.
Welcher Pizzastein ist der beste für zu Hause?
Hängt von deinem Ofen ab – und ob du überhaupt einen Stein willst. Drei Optionen:

Cordierit: Kommt in den meisten Heimöfen und Gas-Pizzaöfen mit. Robust, preiswert, gut für bis zu 400°C.

Biscotto di Sorrento: Das Upgrade für Hochtemperatur-Elektroöfen (Effeuno, Tentazione, Witt eGNITE) bei 450–500°C. Gleichmäßigerer Boden, perfekt für neapolitanische Pizza.

Backstahl: Eine vollkommen andere Kategorie – kein Stein, sondern eine Stahlplatte. Heizt extrem schnell auf, speichert viel Energie, gibt diese sehr direkt an die Pizza ab. Ideal für den normalen Haushaltsbackofen. Der Gi.Metal Amica Backstahl (40×35 cm) ist meine Empfehlung wenn du keinen eigenen Pizzaofen hast.

Einen Überblick über alle Optionen findest du in der Pizzastein & Backstahl Kategorie bei PizzaLaden.at.
Wie lange muss der Pizzastein vorheizen?
Mindestens 45–60 Minuten bei Maximaltemperatur. Das ist kein Luxus, das ist Pflicht. Ein nicht vollständig durchgeheizter Stein gibt den Boden ungleichmäßig durch. Bei dicken Biscotto-Steinen (3 cm) sogar 60–90 Minuten einplanen.

Mein Fazit: Pflege ist einfacher als du denkst

Der größte Fehler bei Pizzasteinen ist Angst vor Gebrauchsspuren. Ein guter Pizzastein wird mit der Zeit dunkler, bekommt Patina, sieht „benutzt“ aus – und genau dann ist er am besten. Kein Spülmittel, kein Wasser im heißen Zustand, immer langsam aufheizen – das sind die drei Regeln die du dir merken musst. Und wenn mal wirklich was schiefgeht: Pyrolyse löst fast jedes Reinigungsproblem.

Wenn du gerade auf der Suche nach einem neuen Pizzastein bist oder wissen willst welcher zu deinem Ofen passt: In der Pizzastein-Kategorie bei PizzaLaden.at findest du Cordierit, Biscotto und Backstähle mit allen Specs. Und wenn du Fragen hast, schreib mir einfach.

Welches Material hat dein Pizzastein – und hast du schon Erfahrungen mit Reinigung oder Einbrennen gemacht? Schreib es in die Kommentare, ich bin neugierig!

klausi
Klausi ist Gründer von PizzaLaden.at und leidenschaftlicher Hobby-Pizzaiolo aus Österreich. Auf PizzaStunde.com teilt er praxisnahe Tipps zu Teig, Equipment und Technik – und verkauft im Shop alles, was man für authentische Pizza zuhause braucht.
Alle Rezepte

Hinterlasse einen Kommentar

Cookie Consent mit Real Cookie Banner