Fünf Teiglinge sauber aus einem Kilo Mehl geformt, gleich schwer und ordentlich – für den sechsten reicht der Teig dann nicht mehr, und die letzte Pizza wird papierdünn. Ein andermal umgekehrt: zu große Kugeln geformt, und der Rand wird dick und brotig statt knusprig. Beides schon selbst verbockt, bevor ich kapiert hab: Teiglingsgewicht ist keine Bauchgefühl-Sache, sondern Rechnung.
Dabei ist die Antwort auf die Frage „wie viel Teig für eine Pizza“ gar nicht so kompliziert – wenn man weiß, worauf es ankommt.

Wie viel Teig für eine Pizza? Die Faustregel
Für alle, die es eilig haben, hier die Kurzfassung. Alles danach ist die Langfassung mit den Details, die den Unterschied machen.
| Pizzastil | Teiglingsgewicht | Größe |
|---|---|---|
| Neapolitanisch | 270–290 g | Ø 33 cm |
| Römisch (Tonda) | 180–220 g | Ø 30–32 cm, dünn & knusprig |
| New York Style | 280–350 g | Ø 35–40 cm |
| Pizza in Teglia | ca. 750 g | Blech ca. 30×40 cm |
| Focaccia | 800–900 g | Blech ca. 30×40 cm |
| Sizilianisch / Detroit | 500–700 g | je nach Pfannengröße |
Das sind Richtwerte, kein Dogma. Dein Ofen, deine Wunschgröße und dein Geschmack entscheiden am Ende mit.
Warum eine größere Pizza nicht einfach „ein bisschen mehr“ Teig braucht
Verdoppelst du den Durchmesser deiner Pizza, brauchst du nicht doppelt so viel Teig. Sondern ungefähr das Vierfache.
Der Grund: Teig skaliert mit der Fläche, nicht mit dem Durchmesser. Eine Pizza mit 20 cm Durchmesser hat rund 314 cm² Fläche. Eine mit 40 cm Durchmesser – doppelter Durchmesser – hat aber nicht die doppelte, sondern mit rund 1.256 cm² die vierfache Fläche. Und damit auch ungefähr die vierfache Menge Teig, wenn die Dicke gleich bleiben soll.
Das ist der Punkt, an dem die meisten daneben schätzen. „Ein bisschen größer“ fühlt sich nach Augenmaß harmlos an, ist rechnerisch aber oft ein Drittel mehr Teig oder mehr.
Für den Alltag brauchst du aber keine Formel im Kopf – nur eine bekannte Ausgangsgröße. Eine Kopfrechen-Falle gleich vorweg: Weil die Fläche quadratisch mit dem Durchmesser wächst (siehe oben), kannst du nicht einfach „Durchmesser mal Gramm pro Zentimeter von Null weg“ rechnen – 36 cm × 16 g wären 576 g, viel zu viel. Was funktioniert: von einer Pizzengröße, deren Gewicht du kennst, in kleinen Schritten weiterrechnen. Als Faustregel im typischen Hobby-Ofen-Bereich (28–36 cm): ca. 15–17 g mehr Teig pro Zentimeter mehr Durchmesser – ausgehend von meinem eigenen Neapolitaner (280 g bei 33 cm, mein Standardmaß) sieht das so aus, jede Zeile zeigt den Zuwachs zur Zeile davor, nicht ab null:
| Durchmesser | Teiglingsgewicht | Zuwachs zur Stufe davor |
|---|---|---|
| 28 cm | ca. 200 g | – |
| 30 cm | ca. 230 g | +30 g (15 g/cm) |
| 33 cm | 280 g | +50 g (17 g/cm) |
| 36 cm | ca. 330 g | +50 g (17 g/cm) |
Zwei, drei Zentimeter mehr Durchmesser wirken beim Ausziehen harmlos – sind aber schon 30–50 g mehr Teig, draufgerechnet auf die Größe, von der du ausgehst. Genau der Unterschied, an dem ein Teigling plötzlich nicht mehr für den Ofen oder Pizzastein reicht.

🍕 Teiglingsgewicht nach Stil im Detail
Neapolitanisch
Die AVPN (der neapolitanische Pizza-Verband, der den offiziellen Standard definiert) gibt 200–280 g vor. In meinem Grundrezept für neapolitanischen Pizzateig lande ich mit 1 kg Mehl bei sechs Teiglingen à 270–290 g für eine Ø 33 cm Pizza – das ist der Bereich, in dem der Cornicione (der aufgeblasene Rand) schön aufgeht, ohne dass die Mitte zu dick wird.
Kleiner als 250 g wird’s bei dieser Größe schnell papierdünn und reißt beim Ausziehen. Größer als 300 g wird der Rand oft zu brotig für den klassischen Stil.
Römisch (Tonda Romana)
Wer die knusprig-dünne römische Pizza mag, nimmt spürbar weniger Teig: 180–220 g reichen für eine Pizza, die eher kracht als beißt. Logisch, wenn du bedenkst, dass hier die dünne Kruste das Ziel ist, nicht der aufgeblasene Rand.
New York Style
New-York-Pizzen sind größer (Ø 35–40 cm) und sollen sich zusammenklappen lassen, ohne zu reißen. Dafür braucht’s mehr Teig pro Fläche als beim Neapolitaner: 280–350 g. Eine einfache Faustregel aus der US-Pizzawelt: etwa 22 g Teig pro Zoll (2,5 cm) Durchmesser.
Teglia, al taglio & Focaccia
Hier wird’s blechweise gerechnet statt pro Kugel. In meinem Rezept für al taglio, Teglia und Focaccia aus einem Teig nehme ich für ein Blech von ca. 30×40 cm rund 750 g Teig – bei Focaccia gehe ich bewusst auf 800–850 g hoch, weil die dickere, luftigere Krume mehr Volumen braucht.
Sizilianisch / Detroit
Dicker Pfannenboden, viel Krume: 500–700 g Teig je nach Pfannengröße sind hier normal. Wer aus dem neapolitanischen Denken kommt, erschrickt beim ersten Abwiegen fast immer – das ist so gewollt.
Rand reißt beim Ausziehen oder die Mitte hat ein Loch? Der Teigling war für deine Zielgröße wahrscheinlich zu klein. Rand bleibt in der Mitte zäh und roh, obwohl außen schon alles dunkel ist? Umgekehrter Fall – zu viel Teig für die Pizzagröße oder Ofentemperatur. Beides ist kein Teig-Problem, sondern ein Mengen-Problem. Fix: beim nächsten Mal am Zielgewicht aus der Tabelle oben orientieren und mit der Waage kontrollieren statt nach Gefühl abzuteilen.
📐 Wie viele Pizzen bekomme ich aus 1 kg Mehl?
Das ist die Rechnung, die eigentlich hinter jedem Teiglingsgewicht steckt – und die kaum irgendwo vorgerechnet wird. Der Trick: Du musst nicht nur das Mehl zählen, sondern den ganzen Teig. Mehl plus Wasser plus Salz plus die Prise Germ.
Nehmen wir mein eigenes Grundrezept: 1.000 g Mehl, 620 g Wasser (62% Hydration, also Wasseranteil bezogen aufs Mehl), 30 g Salz, 2 g frische Germ (Hefe). Macht zusammen 1.652 g fertigen Teig. Geteilt durch sechs Teiglinge sind das 275 g pro Stück – exakt in meinem üblichen Bereich.
Und jetzt der Teil, um den’s dir eigentlich geht: Je größer die Teiglinge, desto weniger Pizzen bekommst du aus einem Kilo Mehl – und umgekehrt strecken kleinere Teiglinge dein Mehl deutlich weiter. Bei gleicher Hydration von 62% (also 1.652 g Gesamtteig aus 1 kg Mehl) sieht das so aus:
| Teiglingsgewicht | Pizzen aus 1 kg Mehl |
|---|---|
| 200 g | ca. 8 Pizzen |
| 250 g | ca. 6–7 Pizzen |
| 280 g | ca. 5–6 Pizzen |
| 320 g | ca. 5 Pizzen |
| 350 g | ca. 4–5 Pizzen |
| 750 g (Teglia-Blech) | ca. 2 Bleche |
Willst du kleinere Kinderpizzen für eine größere Runde, holst du aus demselben Mehlsack plötzlich zwei Pizzen mehr raus. Willst du New-York-große Fladen, wird’s eng – und du brauchst mehr Mehl, als du vielleicht eingeplant hast.
Wie viel Wasser du dazugibst, verändert die Rechnung übrigens auch – bei mehr Hydration wird aus 1 kg Mehl mehr Gesamtteig. Falls du dir bei der Hydration noch unsicher bist, hab ich dazu einen eigenen Guide zu 60%, 70% und 80% Hydration geschrieben.
Der Rechner oben ist eine gute erste Schätzung – aber Mehl plus Wasser plus Salz plus Germ ergibt in der Praxis nie exakt die Gesamtmenge. Ein bisschen Teig bleibt immer in der Schüssel kleben, ein bisschen an den Händen, ein bisschen am Knethaken. Deshalb verlass ich mich nicht auf die Addition der Zutaten, sondern wiege den fertig gekneteten Teig direkt ab, bevor er in die Stockgare geht. Das ist die Zahl, die wirklich stimmt – und die teile ich dann durch die Anzahl der Teiglinge, nicht die Theorie von oben.

Beim Teiglingsgewicht entscheiden schon 10–20 g über das Endergebnis – Augenmaß reicht hier nicht. Ich wiege jeden Teigling einzeln ab, auch nach zehn Jahren noch.
⚖️ Witt Pizzawaage DUAL (2 Zonen) 📦 Pizzaballenbox Set 40×30 cmAm Ende ist Teiglingsgewicht kein Regelwerk, das du auswendig lernen musst. Es ist einfach der Punkt, an dem du entscheidest: Wie viele Pizzen willst du aus deinem Mehl holen, und wie soll die einzelne Pizza aussehen? Beides gleichzeitig geht nicht ganz – aber jetzt weißt du wenigstens, an welcher Schraube du drehst.
Welches Teiglingsgewicht backst du eigentlich? Schreib’s in die Kommentare oder in unserer PizzaLiebhaber-Österreich-Gruppe auf Facebook – mich interessiert, ob ich mit meinen 270 g Ausreißer bin oder Mainstream.
Klausi 🍕
