Ich geb’s zu – die Idee klingt erstmal seltsam. Tiramisu auf Pizza? Aber ich hab’s einfach ausprobiert, und seit dem ersten Testlauf bin ich überzeugt: Das funktioniert. Richtig gut sogar.
Der Trick ist das Blindbacken. Der Teig kommt ohne jeden Belag bei voller Hitze in den Ofen, wird fertig durchgebacken – und erst dann belegt. Klingt simpel, macht aber den ganzen Unterschied. Unten knusprig, oben cremig, dazwischen zieht der Espresso in den noch heißen Boden ein. Kein Gimmick, sondern ein Dessert, das wirklich Sinn ergibt.
Warum ich blind backe – und kein anderer Weg funktioniert
Mein erster Gedanke war: einfach alles zusammen in den Ofen. Creme, Biskotten, Kakao – fertig. Das war ein Fehler. Bei 400 °C ist die Mascarponecreme in Sekunden zerstört, die Biskotten verbrennen und vom Tiramisu bleibt nichts übrig außer einer karamellisierten Katastrophe.
Also: erst den Boden allein backen. Volle Hitze, fertig durchbacken, dann belegen. So bekommt der Teig seinen echten Charakter – Leoparding, schöner Cornicione, knusprige Unterseite – und die Creme bleibt stabil.
Mein Setup: Edelstahlblech gegen aufgehenden Teig
Das einzige Problem beim Blindbacken: Der Teig will aufgehen. Ohne Belag drauf hat er freie Bahn und bildet riesige Blasen. Ich hab ein rundes Edelstahlblech direkt auf den ausgebreiteten Teigling gelegt, bevor er in den Ofen kommt. Das hält ihn schön flach und verteilt die Hitze gleichmäßig.

Wer kein passendes Blech hat, kann auch anders vorgehen – beide Methoden funktionieren genauso:
- Fork Docking: Teig vor dem Backen mit einer Gabel mehrfach einstechen – Dampf kann entweichen, der Teig geht kontrollierter auf. Simpelste Methode, braucht kein Extra-Equipment.
- Eiswürfel-Methode: Ein paar Eiswürfel direkt auf den Teig legen. Die erzeugen Feuchtigkeit und bremsen das Aufgehen. Klingt seltsam, hab ich selbst skeptisch beäugt – funktioniert aber.
Das Rezept

Zutaten (für 1 Pizza)
- 1 Teigling (ca. 280 g), ausgebreitet auf ca. 30–32 cm
- 1–2 Espressi, frisch aufgebrüht und vollständig abgekühlt
- ca. 150–200 g Mascarponecreme (klassisch: Mascarpone, Eigelb, Zucker – optional ein Schuss Marsala)
- 6–8 Biskotten (Löffelbiskuit), grob zerbrochen
- Kakao zum Bestäuben
So hab ich’s gemacht
1. Vorbereitung
Espresso aufbrühen und vollständig auskühlen lassen – das ist wirklich wichtig. Warmer Espresso weicht den Boden zu schnell auf. Währenddessen die Mascarponecreme anrühren: Eigelb mit Zucker cremig schlagen, Mascarpone unterheben, kalt stellen.
2. Teig ausbreiten


Teigling auf Mehl ausbreiten, auf die Pizzaschaufel legen. Methode wählen und vorbereiten – Blech drauf, einstechen oder Eiswürfel bereit haben.
3. Blindbacken
Bei 400–450 °C backen bis der Boden goldbraun und wirklich durchgebacken ist. Im Hochtemperaturofen dauert das je nach Gerät zwischen 90 Sekunden und 3 Minuten. Wichtig: nicht zu früh rausnehmen – der Boden muss stabil genug sein, um die Creme zu tragen.
Für diese Temperaturen brauchst du einen richtigen Pizzaofen – im PizzaLaden gibt’s die passenden Geräte.
4. Mit Espresso tränken
Den noch heißen Boden direkt nach dem Backen gleichmäßig mit dem abgekühlten Espresso beträufeln. Einen Löffel nehmen und langsam über die Oberfläche verteilen – der Boden soll das Kaffeearoma aufnehmen, aber nicht matschig werden. Lieber zweimal wenig als einmal zu viel.
5. Mascarponecreme drauf

Die Creme gleichmäßig verteilen. Nicht zu dick – sonst wird das Essen zur Herausforderung. Eine moderate Schicht reicht völlig aus, damit jeder Bissen Boden und Creme zusammen hat.
6. Biskotten und Kakao

Biskotten grob in Stücke brechen und über die Creme verteilen. Dann mit Kakao bestäuben – am besten über ein feines Sieb, damit es gleichmäßig wird und nicht klumpt.

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde
Beim ersten Versuch hab ich den Espresso noch zu warm aufgetragen – der Boden hat sich etwas verzogen und die Creme ist an einer Stelle verlaufen. Espresso wirklich vollständig auskühlen lassen, das ist der Punkt der am leichtesten unterschätzt wird.
Außerdem: Die Creme erst kurz vor dem Servieren draufgeben. Je länger sie draufliegt, desto mehr zieht sie ein – das schmeckt zwar immer noch gut, aber die Textur leidet. Am besten also alles vorbereiten und erst beim Anrichten zusammenstellen.
- Espresso komplett abkühlen – nicht lauwarm, wirklich kalt.
- Creme erst kurz vor dem Servieren auftragen – Biskotten als allerletzte Schicht.
- Ofen wirklich auf Temperatur bringen – wer keinen Hochtemperaturofen hat, bekommt mit einem Backstahl im normalen Backofen deutlich bessere Ergebnisse als mit einem normalen Backblech.
Fazit
Ich bin froh, dass ich das einfach ausprobiert hab. Die Tiramisu Pizza ist für mich kein Witz und kein Experiment mehr – sie ist ein richtiges Rezept, das ich so wieder machen würde. Der Boden bringt Knusprigkeit und Röstaroma, der Espresso verbindet alles, die Creme bringt Schmelz, die Biskotten den Biss.
Wenn ihr das nachmacht – zeigt mir das Ergebnis! Bin gespannt wie eure Versionen aussehen. 🙌

Tiramisu Pizza
Ingredients
- 1 Teigling ca. 280 g
- 1-2 Espressi frisch aufgebrüht und vollständig abgekühlt
- 150-200 g Mascarpone
- 2 Eigelb
- 2 EL Zucker
- 6-8 Biskotten Löffelbiskuit
- Kakao zum Bestäuben
- Optional: 1 Schuss Marsala
Instructions
- Espresso aufbrühen und vollständig auskühlen lassen.
- Eigelb mit Zucker cremig schlagen, Mascarpone unterheben und kalt stellen.
- Teigling auf Semola ausbreiten (ca. 30–32 cm).
- Teig flach halten: Edelstahlblech drauflegen oder mit Gabel einstechen oder Eiswürfel drauflegen.
- Bei 400–450 °C blind backen bis der Boden goldbraun und durchgebacken ist.
- Noch heißen Boden gleichmäßig mit dem abgekühlten Espresso tränken.
- Mascarponecreme gleichmäßig verstreichen.
- Biskotten grob zerbrechen und über die Creme verteilen.
- Mit Kakao bestäuben und sofort servieren.






